
Es ist nie zu spät, Hilfe zu holen
In der Schweiz sind jährlich mehr als 300 000 Menschen über 60 Jahre von Gewalt betroffen. Aus Scham oder aus Angst vor den Konsequenzen suchen sie nur selten Hilfe. Die Sensibilisierungskampagne ermutigt Betroffene, über das Thema zu sprechen und Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Gewalt hat viele Formen
Gewalt umfasst nicht nur körperliche Gewalt, sondern auch Vernachlässigung, Herabsetzung, Nötigung und finanzielle Ausbeutung. Das Dunkelfeld ist gross – viele Fälle bleiben im Verborgenen.
Körperliche Gewalt
Psychische Gewalt
Finanzielle Gewalt
Vernachlässigung
Angst vor Konsequenzen
Eine von der Schweizerischen Kriminalprävention in Auftrag gegebene Studie des Institut et Haute École de la Santé La Source (HES-SO) zeigt: Gewaltbetroffene Seniorinnen und Senioren suchen vor allem deshalb keine Hilfe, weil sie sich schämen und Angst vor den Konsequenzen haben.
Viele haben gesundheitliche Probleme und sind auf die Hilfe ihres Umfelds angewiesen. Sie fürchten, die Kontrolle über ihre Situation zu verlieren, in ein Heim gehen zu müssen oder die Beziehung zu nahestehenden Personen zu gefährden. Zudem gehören sie einer Generation an, die es gewohnt ist, Probleme in der Familie zu lösen.
«Sich als Mann, der ein Familienoberhaupt und Chef einer Firma war, jetzt zu sagen, ich brauche Hilfe, das ist ein sehr grosser Schritt», sagt einer der Befragten.

Kampagnenaufbau
Die Kampagne richtet sich in erster Linie an Seniorinnen und Senioren, aber auch an ihr Umfeld und an Personen, die Gewalt ausüben. Gerade bei der Betreuung von pflegebedürftigen oder an Demenz erkrankten Menschen kann Misshandlung die Folge von Überforderung sein.
Drei Szenen zeigen verschiedene Formen von Gewalt und fördern Empathie und Verständnis. Die Kampagne ruft dazu auf, genauer hinzusehen, schwierige Situationen zu erkennen und etwas dagegen zu unternehmen. Denn: «Es ist nie zu spät, Hilfe zu holen!»
Die Kampagne ist Teil des Nationalen Aktionsplans zur Umsetzung der Istanbul-Konvention 2022–2026.
Handeln Sie!
Von Gewalt können alle betroffen sein.
Gewalt zu stoppen, liegt in der Verantwortung der ganzen Gesellschaft. Sind Sie selbst, eine Angehörige, ein Nachbar, eine Patientin oder ein Kollege von Gewalt betroffen? Beobachten Sie eine schwierige Situation? Handeln Sie – wir beraten Sie vertraulich.
Projektorganisationen
Schweizerische Kriminalprävention und Polizeikorps
Die Schweizerische Kriminalprävention (SKP) ist eine interkantonale Fachstelle für die Prävention von Kriminalität und Kriminalitätsfurcht und ein Organ der Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektorinnen und -direktoren (KKJPD). Sie stärkt die interkantonale Zusammenarbeit der Polizei in der Kriminalprävention und informiert die Bevölkerung über kriminelle Phänomene, Präventionsmöglichkeiten und Hilfsangebote.
Nationales Kompetenzzentrum Alter ohne Gewalt
Alter ohne Gewalt ist aus der Zusammenarbeit von drei Organisationen entstanden: der Unabhängigen Beschwerdestelle für das Alter UBA in der Deutschschweiz, Pro Senectute Ticino e Moesano in der Südschweiz und alter ego in der Westschweiz. Die niederschwellige Anlaufstelle berät Betroffene und ihr Umfeld unabhängig und neutral, vermittelt psychologische Hilfe und rechtliche Auskünfte.
Opferhilfe Schweiz
Die Opferhilfe ist für alle Menschen da, die in der Schweiz durch eine Straftat körperlich, psychisch oder sexuell beeinträchtigt wurden. Beratungsstellen in der ganzen Schweiz informieren Opfer und Angehörige über ihre Rechte, unterstützen sie bei der Verarbeitung des Geschehenen und vermitteln weitere Hilfe.
Unterstützt von
- Schweizerischer Seniorenrat
- Spitex Schweiz
- Alzheimer Schweiz
- CURAVIVA Schweiz
- Pro Senectute Schweiz